Ihr religiöser und kultureller Mittelpunkt für Deutschland

Wenn man durch die Gassen der Lübecker Altstadt schlendert, spürt sofort, dass dieser Ort mehr ist als eine Ansammlung mittelalterlicher Backsteinfassaden https://kulturtreibhaus.org/. Die von der Trave umflossene Insel hält geistiges Kapital, das über Jahrhunderte gewachsen ist und heute im Future Forum on Culture einen zeitgemäßen Ausdruck erhält. Das Forum versteht sich nicht als Museum, sondern als lebendige Schnittstelle zwischen Glaubenstraditionen, künstlerischem Schaffen und gesellschaftlichem Diskurs. Es adressiert an Suchende, Zweifelnde und Engagierte aus ganz Deutschland, die religiöse Tiefe und kulturelle Vielfalt nicht nur betrachten, sondern aktiv mitgestalten beabsichtigen. Während die Kirchenaustritte zunehmen und religiöse Identitäten diffuser werden, bietet dieser Knotenpunkt Orientierung ohne Dogmatik und Gemeinschaft ohne Vereinnahmung. Was das Haus konkret anbietet und warum es weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus Beachtung erhält, lesen Sie hier.

Bürgerschaftliches Engagement und Mitwirkung: Das Forum als Gemeinschaftsprojekt

Eine Anlaufstelle existiert von den Menschen, die ihn gestalten. Das Future Forum wäre nicht möglich ohne die über hundertachtzig eingetragenen Ehrenamtlichen, die den Betrieb in mannigfaltiger Weise tragen. Ihre Motivation ist erstaunlich vielfältig: Einige sind pensionierte Pastoren, die ihr Glaubenswissen weitergeben wollen, andere sind Studenten, die ein Anwendungsgebiet für ihr Studienfach finden möchten, und wieder andere sind Quereinsteiger, die nach einer persönlichen Lebenskrise einen Ort der Neuausrichtung gefunden haben. Was sie eint, ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ohne ein vorgefertigtes Rollenbild ausfüllen zu müssen. Das Forum bietet deshalb keine standardisierten Ehrenamtslehrgänge an, sondern setzt auf individuelle Begleitung und das Prinzip der Gabenorientierung. Ein ehemaliger Bankkaufmann verantwortet heute die Finanzbuchhaltung eines Drittmittelprojekts, eine gelernte Schneiderin hat eine Nähwerkstatt für liturgische Gewänder ins Leben gerufen, und ein Informatiker pflegt die digitalen Archive.

Die konkreten Mitwirkungsfelder sind so vielfältig wie die Begabungen der Helfer:

  • Empfang und Gästebetreuung an den offenen Nachmittagen in den Kirchen, mit Kurzführungen ohne Anmeldung.
  • Mitarbeit in der digitalen Redaktion: Übertragen historischer Predigten, Aufnehmen von Audioguides, Aktualisierung der mehrsprachigen Website.
  • Organisatorische Unterstützung bei den halbjährlichen interreligiösen Festen, vom Aufbau der Stände bis zur Versorgung von Kinderprogrammen.
  • Technikteam: Betreuung der Übertragungstechnik für hybride Veranstaltungen, die gerade für entlegene Regionen Deutschlands den Zugang zum Programm erst zugänglich macht.
  • Archiv- und Bibliotheksdienst: Aufbereitung der wachsenden Sammlung von Primärquellen zur norddeutschen Kirchen- und Religionsgeschichte.

Ein Ort mit Historie: Die Altstadtinsel als Kulisse

Das Future Forum ist keineswegs ein zufällig gewählter Name, sondern Konzept. Lübeck war als Haupt der Hanse durchweg ein Schmelzpunkt von Waren, Ideen und Glaubensrichtungen. Die sieben Türme der Kirchen prägen bis heute die Silhouette und gemahnen daran, dass Handel und Spiritualität hier nie getrennt wurden. Das Forum holt dieses historische Fundament zurück und übersetzt es in eine dialogische Praxis, die Handelsgeist mit Kontemplation verknüpft. Besucher erleben eine Stadt, deren Pflaster selbst als Resonanzboden für kulturelle und religiöse Fragen wirkt. Wer sich auf diesen Resonanzraum öffnet, begegnet nicht nur steinernen Zeugen der Vergangenheit, sondern einer lebendigen Infrastruktur, die das geistige Erbe für heutige Debatten verwertbar macht. Diese Kontextualisierung ist ein Unterscheidungsmerkmal, das urbane Denkmäler aus ihrer rein touristischen Vermarktung befreit und ihnen eine aktive gesellschaftliche Funktion zurückverleiht.

Ausschlaggebend ist die bewusste Entscheidung, keine abgeriegelte Tagungsstätte am Stadtrand zu aufbauen. Vielmehr sind die Aktivitäten des Forums über mehrere historische Gebäude der Innenstadt gestreut, was eine physische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Gedächtnis der Stadt verlangt. Ein Symposium zur mittelalterlichen Mystik geschieht eben nicht in einem neutralen Konferenzraum statt, sondern im Kapitelsaal eines ehemaligen Stifts. Dieses Prinzip der Ortsgebundenheit produziert eine Authentizität, die kein noch so durchdachtes Bildungskonzept simulieren könnte. Wer an einer Veranstaltung teilnimmt, durchschreitet automatisch die Altstadtgassen, saugt die Gerüche und das Licht der Ostsee auf und wird so bereits vor Beginn der eigentlichen Sitzung in eine offene Stimmung geführt. Diese untrennbare Verbindung von Ort und Inhalt gestaltet den Knotenpunkt zu einem unvergleichlichen geistigen Labor in Deutschland.

Lebendige Ökumene: Der interkonfessionelle Auftrag des Forums

Der Begriff „religiöser Knotenpunkt“ stellte leeres Marketing bedeuten, wenn er sich nur auf christliche Konfessionen beschränken. Das Future Forum versteht Religiosität umfassend und schließt jüdische, muslimische, buddhistische und weitere Stimmen durchgängig ein. Basis ist ein Kuratorium, bei dem Vertreter verschiedener Gemeinschaften gleichgestellt über das Programm entscheiden. Diese strukturelle Absicherung verhindert, dass interreligiöser Dialog zu einer folkloristischen Begegnung degeneriert, sondern gewährleistet eine echte Beteiligung an Ressourcen und Entscheidungen. Im Einzelnen bedeutet dies, dass weder die die Adventszeit noch das muslimische Fastenbrechen das Programm bestimmen, sondern dass ein ausbalancierter Rhythmus über das ganze Jahr hindurch alle Perspektiven zur Geltung kommen lässt. Gäste erkennen an, dass sie hier keine vorgefertigten Antworten erhalten, sondern in kontrollierten Settings ihre eigenen Fragen präzisieren können.

Die Gespräche der Abrahamsreligionen Gespräche

Ein etabliertes Format ist die regelmäßige Reihe „Abrahamitische Gespräche“, bei der eine jüdische, eine christliche und eine muslimische Stimme einen wortgleichen Text aus ihren jeweiligen Traditionen kommentieren. Dabei geht es nicht um eine Vereinnahmung oder harmonistische Angleichung, sondern um das präzise Herausarbeiten von Differenzen und verblüffenden Gemeinsamkeiten. Die Texte werden vorab verschickt, sodass die Teilnehmenden vorbereitet in den Abend gehen. Die Gespräche finden reihum in der Synagoge, einer Kirche und der Moschee statt, was darüber hinaus das gegenseitige Kennenlernen der Räume fördert. Diese Rotation ist mehr als ein symbolischer Akt; sie verhindert, dass sich eine Gastgeber-Mentalität einschleicht, und macht alle Beteiligten gleichermaßen zu Gästen und Gastgebern. Aus dieser Reihe sind bereits mehrere Publikationen hervorgegangen, die als Unterrichtsmaterial für den Religionsunterricht in ganz Deutschland dienen.

Meditative Meditation und Stille

Neben dem Wortgespräch pflegt das Forum den Austausch jenseits der Sprache. In einem früheren Kaufmannshaus wurde ein kontemplativer Raum eingerichtet, der bewusst ohne dominante religiöse Symbolik auskommt und allen Menschen offensteht. Zweimal täglich finden dort geleitete Sitzeinheiten statt, die von qualifizierten Meditationsleitern unterschiedlicher Traditionen angeboten werden. Ob Zen-Meditation, christliches Herzensgebet oder achtsames Atmen – die Ansätze wechseln, die Tiefgang der Stille bleibt. Teilnehmer berichten, dass dieser offene Zugang ihnen einen ersten Einstieg zu spiritueller Praxis eröffnet hat, den sie im konfessionell gebundenen Rahmen nie gesucht hätten. Der Raum wird zudem regelmäßig für Schweigeseminare am Wochenende genutzt, die eine geschätzte Unterbrechung des digitalen Alltags darstellen und Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Lübeck führen.

Musik als verbindende Sprache der Religiosität

Musik ist im Future Forum kein ornamentales Extra, sondern fundamentaler Bestandteil des Programms. Das Spektrum umfasst von der Pflege des Lübecker Orgelrepertoires bis hin zu zeitgenössische Kompositionen und sufischen Gesängen und jüdischer Kantillationskunst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Wiederbelebung von Werken, die im Dreißigjährigen Krieg oder in der Zeit des Nationalsozialismus aus den Kirchenarchiven entfernt wurden. Hier arbeitet das Forum mit Musikwissenschaftlern der Musikhochschule Lübeck gemeinsam, was zu mehreren gefeierten Wiederaufführungen beigetragen hat. Diese historische Tiefenbohrung wird ergänzt durch Begegnungskonzerten, bei denen drei Chöre unterschiedlicher Glaubensrichtungen ein gemeinsames Programm proben. Der Probenprozess ist dabei genauso bedeutsam wie die Aufführung, weil er die Sängerinnen und Sänger veranlasst, sich auf fremde Klangideale und Textverständnisse zu öffnen, was weit mehr erreicht als viele Gesprächskreise.

Praktisch manifestiert sich die Offenheit in den monatlichen Mitsing-Abenden, die ohne Notenkenntnisse und Anmeldung besucht werden können. Ein Kantor führt kurz in ein Stück ein, dann singt die Versammlung einen vierstimmigen Satz, mal aus dem evangelischen Gesangbuch, mal einen hebräischen Psalm, mal ein buddhistisches Mantra. Die Regel lautet: Jeder so gut er kann, und Fehler sind ausdrücklich gestattet. Diese radikale Einstiegsschwelle hat ein Publikum erreicht, das sich selbst nie als musikalisch bezeichnet hätte, und ist für viele die erste Begegnung mit geistlichem Liedgut schlechthin. Die Anwesenheitszahlen zeigen, dass niederschwellige Musikangebote eine Brücke schlagen, die dogmatische Sprachregelungen längst nicht mehr bewirken.

Höhepunkte im Jahreskreis: Rituale gemeinsam erleben

Das Kirchenjahr und die Festkalender anderer Religionen stellen ein rhythmisches Gerüst, das dem Programm eine verlässliche Struktur verleiht. Anders als in Gemeinden, die mit schwindenden Ressourcen kämpfen, kann das Forum aufwendige Feiern inszenieren, die mehrere Traditionen in eine gemeinsame Dramaturgie einbinden. Höhepunkt ist das mehrtägige Lichterfest im November, das beginnend mit dem Martinstag Elemente des christlichen Laternenlaufs, des hinduistischen Diwali und des jüdischen Lichterfestes Chanukka aufgreift. Jede Gemeinschaft trägt eine typische Lichtsymbolik bei, und am letzten Abend zieht ein schweigender Fackelzug durch die Altstadt, der an der Trave endet, wo alle ihre Lichter gemeinsam auf dem Wasser aussetzen. Solche Formate schaffen eine emotionale Dichte, die intellektuelle Dialogformate nicht herstellen können, und bleiben den Teilnehmenden oft über Jahre im Gedächtnis. Sie sind zugleich ein niedrigschwelliges Angebot für Familien, die nach sinnvollen Ritualen suchen, ohne sich an eine Institution binden zu müssen.

Wissensweitergabe: Bibliothek und Archiv des Forums

Ein oft übersehener, aber entscheidender Baustein ist die wissenschaftliche Infrastruktur, die das Forum schrittweise aufbaut. Die Präsenzbibliothek umfasst inzwischen mehrere tausend Bände zur norddeutschen Kirchen- und Kulturgeschichte, unter ihnen seltene Erbauungsschriften des 17. Jahrhunderts, die digitalisiert und frei zugänglich gemacht werden. Dieses Angebot wendet sich nicht nur an akademische Forschende, sondern explizit an Laien, die beispielsweise eine Familienchronik um religionsgeschichtliche Aspekte ergänzen möchten. Ein halbjährlicher Kurs zur Quellenkunde vermittelt grundlegende paläografische Fähigkeiten, sodass Interessierte lernen, alte Kirchenbücher selbständig zu lesen und zu interpretieren. Damit nimmt das Forum eine archivpädagogische Funktion, die in der deutschen Bildungslandschaft kaum noch anzutreffen ist und das kulturelle Erbe vor der Vergessenheit erhält. Die Bibliothek begreift sich zudem als Gastgeberin für Wanderausstellungen, die von hier aus an andere Standorte in Deutschland übermittelt werden und so den Radius des Knotenpunkts stetig vergrößern.

Kulturvermittlung auf innovativen Wegen: Workshops und Debatten

Das Forum betrachtet kulturelle Bildung als einen handwerklichen Prozess, der nicht durch passive Rezeption, sondern durch aktives Tun gelingt. Deshalb nehmen praktische Workshops einen bedeutenden Raum ein. In der Kalligrafie-Werkstatt etwa entdecken Teilnehmende nicht nur arabische, hebräische und lateinische Schriftzeichen, sondern setzen sich ganz nebenbei mit der kulturhistorischen Bedeutung von Schriftreligionen. Ein anderer Kurs präsentiert die Kunst des Ikonenschreibens mit zeitgenössischen Materialien und eröffnet so einen Zugang zur orthodoxen Spiritualität, der von kunsthistorischen Erklärungen allein nie geleistet würde. Solche Angebote richten sich an gezielt jene, die intellektuelle Zugänge zu religiösen Themen suchen, aber oft an einer vermeintlich elitären Fachsprache scheitern. Das haptische Erleben senkt die Hemmschwelle und verankert das Erlernte tiefer als jeder Vortrag.

Ideenwerkstätten für junge Erwachsene

Ein spezieller Schwerpunkt liegt auf der Tätigkeit mit jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren, die in herkömmlichen Gemeindestrukturen schwerlich zu erreichen sind. In mehrtaegigen Zukunftswerkstätten erarbeiten die Teilnehmenden individuelle Projekte an der Nahtstelle von Spiritualität und gesellschaftlichem Engagement. Ob ein interreligiöser Gemeinschaftsgarten, eine Podcast-Reihe zu ethischen Dilemmata oder ein mobiles Atelier für Trauernde – das Forum bereitstellt ein Startbudget und Coaching an. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Generation nicht religionslos ist, sondern religiöse Fragen bloß anders formuliert und in zwangloseren Kontexten verhandelt. Das Forum schafft dafür eine Plattform, die nicht vereinnahmt noch pädagogisch bevormundet, sondern unvoreingenommen unterstützt. Aus diesen Werkstätten sind schon dauerhafte Initiativen entwickelt, die in der Zwischenzeit eigenständig im norddeutschen Raum tätig sind und das Netzwerk des Knotenpunkts kontinuierlich erweitern.

Podiumsreihe „Glaube und Gesellschaft“

Viermal im Jahr lädt das Forum zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion ein, die gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte aus glaubensbezogener und ethischer Perspektive beleuchtet. Die Themen umfassen medizinethischen Fragen wie Sterbehilfe bis hin zur Verantwortung von Religionsgemeinschaften im Klimaschutz. Ausschlaggebend ist die Zusammensetzung des Podiums, die gezielt auf anerkannte Fachleute setzt, aber auch Betroffene zu Wort kommen lässt. Eine Diskussion zur Seelsorge in Justizvollzugsanstalten etwa profitiert durch den Bericht eines ehemaligen Inhaftierten eine Dimension, die kein noch so belesener Theologe allein liefern könnte. Die Veranstaltungen werden als Podcast aufgezeichnet und erreichen so ein bundesweites Publikum. Die Kommentarspalten der Aufzeichnungen zeigen, dass das Forum mit dieser Mischung aus wissenschaftlicher Expertise und existenzieller Betroffenheit ein Format etabliert hat, das die oft beklagte Kluft zwischen akademischer Theologie und gelebter Religiosität überbrückt.

Die Kirchenbauten Lübecks: Jenseits von steinernen Zeugen

Lübecks Kirchen sind keine bloßen Kulissen, sondern engagierte Partner des Forums. Die Backsteingotik von St. Marien, der romanische Dom oder die schlichte Klarheit der Petrikirche bieten diverse Raumqualitäten, die die Veranstaltungen gezielt aufgreift. Eine Veranstaltungsreihe zur Lichtsymbolik in den Religionen wirkt unter den Sterngewölben von St. Marien völlig anders als in einem weißen Seminarraum. Das Forum nutzt dieses architektonische Kapital, indem es Besichtigungen bereitstellt, die theologische, kunsthistorische und städtebauliche Perspektiven vereinen. So begreifen Besucher nicht allein, warum eine Kirche gebaut wurde, sondern auch, welche gesellschaftliche Ordnung sich in ihrer Raumaufteilung spiegelt. Diese Vermittlung geht weit über klassische Kirchenpädagogik hinaus, weil sie die Gebäude als lebendige, sich ständig verändernde Bedeutungsträger interpretiert und nicht als fixierte Kunstobjekte einer historischen Periode behandelt.

Praktisch bedeutet das für Teilnehmende, dass sie während einer Abendveranstaltung im Dom nicht nur einer Rede zuhören, sondern durch eine gezielt gestaltete Lichtprojektion und kurze musikalische Interventionen in eine Wechselwirkung mit der Architektur treten. Solche Formate sprechen auch Menschen an, die keine Kenntnis liturgischer Abläufe haben, aber ein ästhetisches oder existenzielles Interesse mit sich führen. Das Forum schult zudem Ehrenamtliche als „Raumlotsen“, die an regelmäßigen Öffnungstagen in den Gotteshäusern anwesend sind und für Fragen zur Verfügung stehen, ohne zu missionieren. Dieses leicht zugängliche Angebot hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Steigerung der Alleinreisenden geführt, die erklärten, eine Kirche ursprünglich nur aus touristischem Interesse betreten zu haben, dann aber mit tiefgehenden Reflexionen wieder hinausgetreten zu sein. Das Wechselspiel zwischen Architektur und Veranstaltung erzeugt eine Dynamik, die bloß wissensbasierte Ansätze nicht erreichen können.

Über Lübeck hinaus: Ein Beispiel für ganz Deutschland

Die Frage, ob das Lübecker Modell auf andere Städte anwendbar, wird im Forum selbst wiederkehrend diskutiert. Die Antwort ist vielschichtig. Zwar sind die genauen Bedingungen – eine kompakte Altstadt, sieben Kirchen, eine starke jüdische und muslimische Gemeinde – nicht eins zu eins übertragbar. Übertragbar hingegen ist das Konzept, religiöse und kulturelle Bildung systematisch an bestehende urbane Ensembles zu binden und alle relevanten Gemeinschaften von Anfang an in die Programmplanung zu integrieren. Mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen und Hessen haben bereits Delegationen nach Lübeck entsandt, um die Organisationsstruktur zu analysieren. Das Forum bietet dafür strukturierte Hospitationstage an, die mit einer öffentlichen Abendveranstaltung enden, bei der die Gäste ihre eigenen Eindrücke aus anderen Kommunen teilen. So entsteht ein bundesweites Netzwerk, das nicht auf zentrale Anordnungen setzt, sondern auf den Transfer bewährter Praxis unter jeweils spezifischen lokalen Bedingungen.

Wer den religiösen und kulturellen Treffpunkt in Lübeck besucht, verlässt die Stadt in der Regel mit einem sensibilisierten Blick für die eigenen Fragen und mit dem Wissen um tragfähige, erprobte Konzepte des Zusammenlebens in Vielfalt. Das Future Forum on Culture zeigt, dass religiöse Tradition und kulturelle Neugier sich nicht ausschließen, sondern in einer durchdachten Umgebung gegenseitig bereichern. Der nächste Schritt für Neugierige aus ganz Deutschland ist einfach: Die Programmübersicht auf der Website gibt einen gegenwärtigen Überblick über offene Termine, für die in der Regel keine Mitgliedschaft nötig ist. Wer tiefer sich vertiefen will, findet dort auch die Bekanntmachungen für die nächsten Zukunftswerkstätten und Hospitationsprogramme. Die Türen dieses Knotenpunkts stehen weit offen – nicht als abgeschlossener Fachkreis, sondern als willkommen heißender Raum, der von den Fragen und Beiträgen seiner Gäste lebt.